Zwischen Beratung und Begutachtung

Die Pädagogisierung von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Problemlagen, die die Erwachsenenbildung von ihren Anfängen an begleitet hat, hat extrem zugenommen, und der Ruf nach (erwachsenen-)pädagogischen Interventionen bzw. der (erwachsenen-)pädagogischen Begleitung von Interventionen kann fast immer auf Zustimmung rechnen. Speziell die Problematik des Umgangs mit wechselnden Formen von Wissen und Nicht-Wissen hat ein verstärktes Bedü- nis nach pädagogischen Formen der Informationsvergabe, der Fremd- und Selbst-Überprüfung und der Beurteilung entstehen lassen, das die Formel des Lebenslangen Lernens vom Imperativ zur Alltagspraxis werden lässt. Dieser wachsenden Praxis steht allerdings ein Mangel an entsprechenden Ausbildungsmöglichkeiten und an entsprechend Ausgebildeten sowie ein Defizit an empirisch gewonnenen Beschreibungen und Charakterisierungen dieses - reichs gegenüber. Im Gegensatz zu bildungs- und berufspolitischen Aktivitäten muss die erziehungswissenschaftliche Forschung grundsätzlichere Fragen st- len. An den sich etablierenden neuen Formen interessiert sie vor allem, wie an Erwachsene gerichtete pädagogische Aufgaben real von den Beteiligten bew- tigt werden. Aufschlüsse erhofft man sich hier vor allem durch retrospektive Befragungen. Das eigentliche Geschehen in neuen pädagogischen Arrangements, wie den in der vorliegenden Arbeit behandelten Existenzgründungsberatungen, wird so nachträglich aus der Perspektive der Betroffenen dargestellt und begr- det. Wie aber unterschiedlich ausgebildete Personen in derartigen institutionellen Arrangements konkret und im Detail mit den zu Beratenden (erwachsenen-) pädagogisch interagieren, kann durch subjektive, punktuell erinnernde Darst- lungen nicht erfasst werden.

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Zwischen Beratung und Begutachtung Cornelia Maier-Gutheil

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