Lehranalytiker zwischen Konflikt und Dilemma: Gruppenprozesse im psychoanalytischen Institut

Der Aufsatz beschäftigt sich mit der Rolle der Lehranalytikergruppe in psychoanalytischen Instituten. Er beschreibt, dass ihr in besonderer Weise Macht und Einfluss zukommt, entstehend aus dem historischen Auftrag an sie, Hüter der psychoanalytischen Lehre im Sinne Freuds und der psychoanalytischen Bewegung zu sein. Der Leiter der Lehranalytikergruppe, repräsentiert im Ausbildungsausschuss, wird angesichts des besonderen Auftrags der Lehranalytiker zum informellen Leiter des Instituts, neben dem formellen, auf der Grundlage der Satzung gewählten Leiter. Daraus entsteht eine besondere gruppendynamische Konstellation. Sie beruht auch auf dem Bewegungscharakter der Psychoanalyse, der in ihrem institutionellen Selbstverständnis mindestens gleichrangig neben ihrer Charakteristik als Wissenschaft steht. Das Gewicht der Ausbildung und der Lehranalytikergruppe in einem Institut werden an einem Ausbildungskonflikt sichtbar, der das Institut vom Zustand einer Arbeitsgruppe in den einer Grundannahmen-Gruppe im Sinne Bions hat verfallen lassen. Die Zugehörigkeit zur Lehranalytikergruppe und zum Institut schafft wenig bemerkte, oft unbewusste Bindungen an psychoanalytische Institutionen. Um diesen Einflüssen in der psychoanalytischen Arbeit mit Lehranalysanden zu entgehen und eine offene neutrale Haltung einnehmen zu können, muss der Lehranalytiker über die Funktion der doppelten Ichspaltung, d. h. einer therapeutischen und einer institutionsbezogenen Ichspaltung verfügen.

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